… und warum nun doch wieder analog?

Jaja, noch so einer. Zugegeben, als ich im Jahre 2000 meine allererste Digitalkamera für sagenhafte 1000,- DM erwarb, war das für mich das Allertollste überhaupt. Viele Jahre hielt ich meiner Sony Cybershot DSC-F55 die Treue, so lange wie später nie wieder irgendeiner Digitalknipse. Phantastisch: Ein Bild schießen und hinterher sofort sehen, was man da so fabriziert hat. Und sofort am PC weiter bearbeiten, ohne langes Warten bis der Film endlich voll ist, ohne Einscannen der entwickelten Bilder auf damals noch lausigen und furchtbar langsamen Geräten.

Überhaupt bin ich auch zuvor meinen Kameras immer lange verbunden geblieben: Mit etwa 8 Jahren bekam ich meine erste Kleinbildkamera, eine schreckliche Agfamatic 100, die mit Filmkassetten und Blitzwürfeln arbeitete. Meine Eltern dachten sich damals wohl, damit kann ich am wenigsten falsch machen. Danach kam eine grün-gummierte Revue 35FC im Safarilook, das muss so Mitte der 80er gewesen sein. Diese Kamera hatte ich bis weit in meine 20er ernsthaft im Einsatz. Ab 1994 bis zur Jahrtausendwende kam dann eine Minolta Riva dazu, meine erste Kamera mit Zoom und automatischem Filmeinzug, für mich damals eine tolle Sache.

Tja, und dann brach das digitale Zeitalter an. Irgendwann wurden die Digitalkameras immer günstiger und dabei immer besser. Und ich war entsprechend in Experimentierlaune: Nach der Sony habe ich etliche Marken und Modelle ausprobiert, meistens einfache Point-And-Shoot Modelle mit viel Schnickschnack, später wurde ich anspruchsvoller und landete bei Canons G-Serie, der Panasonic GF1 und G2 (Micro-Four-Thirds) sowie der Ricoh GRD IV. Alles tolle Kameras! Und die Optiken scharf wie sonst was.

Milde belächelte ich die wenigen Enthusiasten, die nach und nach wieder anfingen, analog auf Film zu fotografieren – die meisten dieser Entrückten waren ohnehin doofe Szenehipster, “Digital Natives“ um die 20, die noch nie zuvor eine Filmkamera in Händen hielten und es einfach chic fanden, eine alte Messsucherkamera um den Hals baumeln zu haben. Pah, nicht mit mir!

Irgendwas ließ mir aber dann doch keine Ruhe. Langsam, schleichend, nagend. Da ich mich beruflich als Interface-Designer und privat als Purist sehr an logisch durchdachten Dingen und optischer Reduziertheit erfreue, ging mir die Fülle an Optionen, welche die Arbeit mit digitalen Kameras bereithält, mehr und mehr auf den Keks. DSLR-Kameras sehen mittlerweile aus wie verbeulte Plastikklumpen, so viele Knubbel und Hubbel ragen überall aus dem Gehäuse. Kompakt- und Systemkameras hingegen ahmen den Look der alten Klassiker nach und können ihnen doch in Punkto Benutzerfreundlichkeit nicht das Wasser reichen. Hinzu kommen immer mehr Funktionen und Optionen in den Menüs, die aber selbst den ambitioniertesten Amateur schon leicht überfordern dürften (auch wenn er das niemals zugeben würde).

Wie schön zurückhaltend ist da etwa eine Spiegelreflex-Kamera aus den 70ern – jene Modelle, die noch ausschließlich manuellen Fokus zu bieten hatten und das Gehäuse großteils noch aus Metall gefertigt war. Nicht die Plastikbomber, die es wenig später schon zu kaufen gab; mit DX-Codierung, Autofokus, ersten Motivprogrammen und allerlei modernen Sperenzchen. Nein, ganz klassisch sollte es sein: Manueller Fokus, Zeit- und Blendenvorwahl.

So kam es, dass ich im Januar 2015 mit der Anschaffung meiner ersten analogen SLR, einer Minolta X-500, wieder begonnen habe, mit Film zu arbeiten. Zuerst Farbfilm, im weiteren Jahresverlauf dann Schwarzweiß-Film, den ich bald schon selbst entwickelte.

Und siehe da: Es macht wieder richtig Freude. Die Einfachheit der Analogkamera eröffnet mir wieder den Blick auf das Wesentliche. Die Bilder, die ich digital schon so lange machen wollte, gelangen mir nun auf Anhieb oder sahen sogar noch besser aus, als erwartet.

Durch das Zusammenspiel von Kamera und Optik, gewähltem Filmmaterial und Entwicklungschemie erhalte ich nun sofort die Ergebnisse, die ich mir so lange gewünscht habe und die digital nur mühsam zu erreichen sind. Für mich persönlich also kein Rückschritt, sondern endlich wieder befreites Fotografieren!

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